Familienaufstellungen

Methode

Aufstellungen bieten sich als Problemlösungsmethode vor allem in Gruppen an, können in modifizierter Form aber auch in Einzelberatung und Coaching angewandt werden. Im Zentrum der Systemaufstellung stehen das Stellvertreterprinzip und die repräsentierende Wahrnehmung. D.h. der Berater lässt den Aufstellenden aus der Gruppe Stellvertreter für die wichtigsten Systemelemente auswählen und im Raum aufstellen.

Das in den Raum gestellte innere Bild des Klienten kann 'gelesen' werden und veranschaulicht auch implizites Wissen. In der visualisierten Konstellation zeigt sich - wahrgenommen und artikuliert durch die Stellvertreter - die Problemdynamik und ermöglicht so seine Bearbeitung hin zu einem Lösungsbild.

Repräsentierte Systemelemente sind in Familien vorrangig Familienmitglieder, gelegentlich aber auch mitwirkende Themen wie Krieg oder Heimat, Krankheit und Gesundheit. Es werden keine Aussagen über die Personen oder Elemente getroffen, sondern ausschließlich über die Beziehungen zwischen ihnen.

Dass menschliche Wahrnehmung wesentlich räumlich orientiert ist, zeigt sich schon in alltagssprachlichen Metaphern für emotionale Beziehungen. Erinnert sei hier an solche Aussagen wie

Die räumliche Abbildung systemischer Konstellationen lässt sich daher nutzen, um Strukturen und Wechselwirkungen in Systemen zu erfassen und zu beeinflussen. Zentrale, zuvor verdeckte Dynamiken, die herkömmlicher Beratung oftmals verschlossen bleiben, können so in kurzer Zeit analysiert und bearbeitet werden.

Das im Raum erarbeitete Lösungsbild

Die Erarbeitung des Lösungsbildes geschieht durch Umstellung der Konstellation bis die Beteiligten 'bessere' oder 'passendere' Plätze einnehmen. Hintergrund hierfür bilden die systemischen Prinzipien, die Gunthard Weber, Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd formuliert haben. Sie greifen u.a. auf Hellingers 'Ordnungen der Liebe' und die von Boszormenyi-Nagy beschriebenen 'unsichtbaren Bindungen' (Loyalität und Kontenausgleich) zurück.

Der Leitfaden: Allgemeine Ordnungsprinzipien von Systemen

So banal diese Prinzipien klingen mögen, so häufig werden sie ignoriert. So gibt es beispielsweise "das Prinzip der Gleichwertigkeit der Zugehörigkeit": wird ein Systemmitglied abgewertet oder ausgegrenzt, kann eine Nachfolgedynamik entstehen. Wird das " Prinzip des Ausgleichs von Geben und Nehmen" nicht befolgt, kann ein Nachfolgender 'den Preis zahlen' (Ausgleichsdynamik).

Weitere zu beachtende Ordnungen für die Erarbeitung der Lösungskonstellation sind das "Prinzip der zeitlichen Reihenfolge" (wer war zuerst da, wer kam danach?) und das "Prinzip des Vorrangs des höheren Einsatzes" (Berücksichtigung von systemischer und offizieller Hierarchie). In Unternehmen wesentlich ist auch das "Prinzip des Kompetenzvorranges" (werden Fähigkeiten, die den Erfolg und Erhalt der Organisation garantieren gewürdigt?)

Theorie der Aufstellungsarbeit

In einem Forschungsprojekt mit 250 Versuchspersonen und über 4000 Einzelversuchen ist es Peter Schlötter gelungen, die "repräsentierende Wahrnehmung" zu verifizieren (Fehlerwahrscheinlichkeit 0,1%): Systemaufstellungen können als eine nicht verbale Sprache der Stellung von Personen im Raum zueinander erklärt werden. Diese dreidimensionale Zeichensprache wird unabhängig von der individuellen Sozialisation gleichsinnig verstanden. "Die Rückübersetzung der Stellungssprache in die verbale Sprache war so signifikant, dass daraus auf differenzierte Bedeutungen der Stellungssprache geschlossen werden kann" (Katharina Stresius).

Wissenschaftliche Untersuchen zur Aufstellungsarbeit.

Auch wenn die repräsentierende Wahrnehmung empirisch nachgewiesen wurde, wir also wissen, dass sie existiert, so wissen wir noch nicht wie die in Aufstellungen beobachtbaren Phänomene erklärt werden können. Hierfür herangezogen werden die Sprachspiel -Theorie des Philosophen Ludwig Wittgenstein, Martin Buber ('das Unbewusste ist nicht in, sondern zwischen den Menschen'), die Quantenphysik oder auch Kant und die neokantische Evolutionäre Erkenntnistheorie ('Raum und Zeit sind unhintergehbare primäre Erkenntniskategorien des Menschen, die einen intersubjektiven konsistenten Zugang zu den Systemen garantieren').

Interessante Erklärungsansätze sind zunehmend aus der Medizin- und Haptikforschung zu erwarten. So fanden bspw. Forscher des Münchener Klinikums rechts der Isar Hinweise dafür, dass wir über die Imitation der Mimik anderer auch deren Emotionen aufnehmen. Bei bestimmten Mimiken entstehen über Muskulatur und Haut sensorische Signale an das Gehirn und beeinflussen insbesondere jene Hirnregionen, die Emotionen verarbeiten.

Fest steht, dass wir mit Aufstellungen in erstaunlich kurzer Zeit relevante Informationen über ein System gewinnen und im gleichen Zuge gute, effektive Lösungen erarbeiten können - und zwar ganzheitliche Lösungen, die nicht nur einseitige Interessen verfolgen, sondern Grundlagen für langfristig gute Entwicklungen bieten.

Allgemeine Informationen über Familienaufstellungen erfahren Sie hier.

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